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    Tschechows Pistole im Café Borderline

    Waldorfschüler bringen eigenes Stück zum Sommerfest heraus

     

    Von Heinz-Peter Preußer

     

    Cuxhaven: Von Anton Tschechow stammt der Ausspruch, man solle kein Gewehr auf die Bühne bringen, ohne es im letzten Akt auch abzufeuern. Tschechows Gewehr (oder Pistole) ist also eine Technik der Vorausdeutung, die sich viele Dramen- und Filmautoren zu eigen gemacht haben. Wenn nun in der neuesten Inszenierung der Theater-AG der Freien Waldorfschule Cuxhaven eine Figur mit Pistole auftritt – und das Stück zudem Café Borderline heißt -, darf man auf einiges gefasst sein.

     

    Doch erst zur Vorgeschichte. Vor rund einem Dreivierteljahr begann der Wahlpflichtkurs der Theater-AG mit Recherchen nach einem geeigneten Bühnentext. Mal passte die Gruppe nicht zur Besetzungsliste, mal interessierte das gelesene Drama die Schülerinnen und Schüler nicht genügend, um sich auf längere Zeit mit einer Inszenierung an die Vorlage zu binden. So entschied die Gruppe kurzerhand, selbst einen Dialog zu verfassen. Angeleitet von Udo Naruga, ging es zunächst in die Schreibwerkstatt, um literarische Techniken zu erlernen. In improvisierten Szenen kam man dann dem näher, was ein aufführbares Bühnenwerk sein sollte.

     

    Für sich betrachtet, ist schon dieser Schritt beachtlich, ja außergewöhnlich: Schüler der 10. und 11. Klasse vor allem entwickeln eigenständig ihre Themen und setzen diese dramaturgisch um. Sie finden Rollen, die sie dann selbst verkörpern, entwerfen Gegenpositionen, die ihre Anliegen zur Geltung bringen. Das Setting gibt den Rahmen wie den Konflikt bereits vor:

     

    In einem ehemals runtergekommenen Stadtteil einer nicht näher genannten Großstadt befindet sich ein Café. Das Gebäude gehörte einem Kaufmann, der es kurz vor seinem Tod seiner Tochter Jane (Jonna Neuenstadt) und seinem Sohn Franz zu gleichen Teilen überschrieben hat. Nun wohnen hier einige ungewöhnliche junge Frauen miteinander; den Borderlinern ist der Ort zur zweiten Heimat geworden. Doch Franz lebt seit geraumer Zeit im Ausland – und Jane ist, in ihrer Verfassung, kaum in der Lage, das Café zu führen. Also setzt sie ihre beste Freundin Alex (Judith Hagenah) als Geschäftsführerin ein.

     

    Neuerdings weckt der Stadtteil freilich die Gier der Immobilienmakler. Mit der Gentrifizierung wird auch die „Bruchbude“ des Cafés – so Franz – interessant.  Alex, Jane und ihre Mitbewohnerin Lalita (Neele Schensar) sowie Aushilfe Sofie (Neete Lommatzsch) wehren sich gemeinsam und erfolgreich gegen eine „feindliche“ Übernahme – auf ihre eigene Art und mit Einschaltung der Presse (Elvira: Amelie Voss). So wird das Café quasi zu einem gallischen Dorf voller Widerständlerinnen inmitten eines boomenden Neureichenviertels.

     

    Eines Tages nun taucht Janes Bruder Franz samt seinem Schläger Liam (Adriano Schulze) auf. Er will das Haus – und damit das Café – abreißen und neue, entsprechend teure Eigentumswohnungen bauen. Dazu muss er aber seine Schwester Jane entweder überzeugen oder sie aus dem Weg räumen, um als Alleinerbe über das Haus verfügen zu können. Liam trägt recht offen die Pistole, um den Drohungen Nachdruck zu verleihen. Doch die Frauen wehren sich.

     

    In einem betont schlicht gehalten Bühnenbild agieren die Schauspieler mit Lust und großem Engagement. Malin Reese etwa spielt eine komödiantisch-multiple Person, die mal Steffie genannt wird, dann aber insistiert, Thorsten zu heißen – oder wahlweise Mareike respektive Bobby. Franz (Christopher Jesse) kennt nur eine Geste: die des affektierten Egomanen; und er erinnert in seinen Äußerungen an einen anderen Immobilienmakler, der im Nebenerwerb noch Präsident der USA ist.

     

    Das Stück ist mehr Farce als Groteske, vielfach überzogen, und bringt darin die satirische Aussage recht deutlich vor. Wie es sich für eine Komödie gehört, stirbt am Schluss der Schuft, also Franz. Liam selbst, der Mann fürs Grobe, der befürchtet, ausgebotet zu werden, hat den Chef niedergestreckt. Die Borderline-Frauen sind gerettet.

     

    An zwei Abenden wurde das rund 75-minütige Stück aufgeführt (5. und 6. 9.); es gab jeweils großen Applaus.

     

     

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